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Halina mit Can Yener (stellvertretender Leiter der Arche-Friedrichshain) und Wolfgang Büscher (Pressesprecher der Arche).

Ein Nachmittag in der Arche Friedrichshain

Am Mittwoch, den 26. Oktober besuchte Halina die Arche in der Mühsamstraße 74 und war gespannt mehr über die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen zu erfahren.

Am Mittwoch, den 26. Oktober besuchte Halina die Arche in der Mühsamstraße 74 und war gespannt mehr über die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen zu erfahren.

Herzlich begrüßt wurde Halina vom stellvertretenden Leiter Can Yener, dem Pressesprecher Wolfgang Büscher.

Begleitet von aufgeregten Kinder durfte Halina sich als erstes die tollen neuen Räumlichkeiten der Arche ansehen und war vor allem vom Tobe-Raum begeistert: Ausgepolsterte Böden und Wände, Boxsäcke und die Kletterwand laden hier echt zum Austoben ein. "Wir nennen den Raum auch Anti-Aggression-Raum, weil die Kinder hier vor allem an den Boxsäcken mal alles rauslassen können. Sowas haben wir an jedem unserer Standorte", erzählt Wolfgang Büscher. Außerdem gibt es noch einen Kreativ-, einen Hausaufgaben- und einen Computerraum, in dem auch eigene Songs aufgenommen werden können. Toll findet Halina auch den Partyraum, in dem jeden Mittwochnachmittag eine Kinderparty stattfindet. "Ja später ist es wieder so weit. Die Kinder sind schon ganz aufgeregt", freut sich auch Can Yener. Neben dem Kinderraum, in dem gemeinsam gespielt werden kann, gibt es auch einen extra Raum für die Jugendlichen mit einem Kickertisch und Sofas, die zum gemütlichen Chillen einladen.

Täglich besuchen ca. 4500 Kinder und Jugendliche bundesweit Arche-Einrichtungen. In die Mühsamstraße kommen täglich zwischen 80-90, die ihren Nachmittag mit einem gemeinsamen warmen Mittagessen beginnen. "Das gemeinsame Essen ist uns hier nicht nur wichtig, weil eine warme Mahlzeit am Tag für viele leider keine Selbstverständlichkeit ist, sondern auch, weil wir Pädagog*innen mit den Kindern so ins persönliche Gespräch kommen. Das ist sehr wichtig für die Beziehungspflege - einfach mal in Ruhe darüber zu reden, was grad so los ist", erzählt Can Yener. Das Mittagessen ist natürlich kostenlos, da der Großteil der Kinder nicht mal 10 Cent in der Tasche hat.

"Uns ist es egal, welchen sozialen oder finanziellen Hintergrund die Kinder haben, die zu uns kommen. Sie sind alle Kinder, die wir dabei unterstützen wollen selbstbestimmt und selbstbewusst durchs Leben zu gehen. Leider packt es nur jedes 3. 'Arche-Kind' in eine selbstbestimmte Zukunft zu gehen."

Der wichtigste Faktor in der Arbeit sind die Mitarbeiter*innen. "Es braucht viel mehr gut ausgebildete und gut bezahlte Menschen, die in diesem Bereich arbeiten. Die Kinder und Jugendlichen brauchen einfach eine intensivere Betreuung und Begleitung auf ihrem Weg in die Zukunft." So startete die Arche auch das Projekt 'Job-Paten'. Dort werden Jugendliche von meist ehrenamtlichen Helfer*innen während ihrer Ausbildung begleitet. "Sie motivieren die Azubis am Ball zu bleiben und sprechen ab und zu mit den Ausbilder*innen.", erzählt Wolfgang Büscher. Zwischen den Jugendlichen und den Arche-Mitarbeiter*innen besteht oft auch noch ein intensiver Kontakt, wenn diese auf Grund des Alters nicht mehr in die Arche kommen.

Nicht auszulassen sind in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen natürlich auch immer die Eltern. "Wir haben viele Alleinerziehende mit mehreren Kindern - meist Frauen - die größtenteils einfach überfordert sind und sich und ihre Kinder teilweise auch aufgegeben haben." Vor allem in diesen Fällen spielen ausbleibende Unterhaltszahlungen und das fehlende Wissen über Unterhaltsvorschüsse bzw. die relativ hohen Hürden, die damit verbunden sind eine tragische Rolle.

Auch wenn es den Arche-Mitarbeiter*innen sehr wichtig ist, den Kindern immer und immer wieder zu vermitteln, dass Armut keine Schande ist, spielt Geld aber natürlich eine nicht zu unterschätzende Rolle. "Es ist leider so, dass Geld in unserer Gesellschaft auch Teilhabe ermöglicht. Viele Kinder - und auch ihre Eltern - waren noch nie im Kino, im Restaurant, Theater oder Museum. Wir haben z.B. auch einen Jugendlichen der knapp an einer Ersatzfreiheitsstrafe vorbeigerasselt ist, weil er 60 Mal ohne Fahrschein erwischt wurde, wenn er zur Arche fuhr." Vorbestraft und Teil der sogenannten sozial schwachen Schicht, "da sieht die Zukunft nicht sehr rosig" aus bzw. werden die Steine, die im Weg liegen immer größer.

Wolfgang Büscher und Can Yener sagen aber auch ganz offen, dass die Eltern oft Teil des Problems 'Geld' sind. Aus diesem Grund sind die beiden und Halina sich einig darüber, dass der 'Filter Eltern' weg muss. Kinder müssen das Recht auf ihre eigene Grundsicherung haben. Schockiert war Halina, als Wolfgang Büscher erzählte, dass viele Jugendliche mit dem Erreichen der Volljährigkeit erfahren, dass sie mit mehreren Tausend Euro verschuldet sind. "Es gibt bei uns leider viele Fälle, in denen Eltern aufgrund eigener Schufa-Einträge, Online-Einkäufe im Namen ihrer Kinder tätigen oder auch Verträge abschließen. Da gibt es bei uns leider viele, die ihr Erwachsensein mit 30-40.000 Euro Schulden beginnen."

Mit gemischten Gefühlen bedankt Halina sich bei Wolfgang Büscher und Can Yener für die Einblicke in die Arbeit der Arche und das wirklich sehr interessante Gespräch.

Die Arbeit, die Einrichtungen wie die Arche jeden Tag leisten ist enorm wichtig. Durch die relativ hohe Medienpräsenz der Arche erscheint das Thema glücklicherweise auch immer wieder auf dem Bildschirm der Öffentlichkeit. Wichtig ist jedoch auch, dass sich gesellschaftlich und vor allem politisch etwas ändert. Und so hofft Halina, dass die Ziele des 'Aktionsplans gegen Kinderarmut' ihrer Fraktion im Bundestag auch tatsächlich erreicht werden und die Bundesregierung sie nicht nur Pläne sein lässt.